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Wer beruflich mit Monitoring zu tun hat, denkt früher oder später auch privat in Messreihen. „Ist das Tor offen?" wird bei mir zur Frage mit demselben Reflex wie „Antwortet der DNS-Server?" – und sie verdient die gleiche Antwort: ein deterministisches Ja/Nein im Dashboard, nicht ein „Ich glaub, ich hab’s zugemacht".
Was als Spielerei beginnt, wird in der Praxis schnell ein echter Mehrwert. Ein Home-Assistant-Dashboard zeigt mir Bewässerung, Wetterdaten, Stromfluss und – seit Neuestem – auch jedes einzelne Tor am Grundstück. Dieselben Sensoren liefern parallel Daten an meinen Zabbix-Server, sodass ich neben dem Komfort auch eine langfristige Auswertung habe: Heizkurven über Monate, Bodenfeuchte über die Vegetationsperiode, Stromverbrauch pro Stunde und pro Gerät.

In diesem Beitrag zeige ich das Zusammenspiel aus drei Komponenten:
- Home Assistant als zentrales Smart-Home-Hub
- Zigbee-Sensoren (SONOFF, eWeLink) als Datenquellen
- Zabbix 7.4 als Langzeit-Monitoring und Alarming
Setup-Überblick #
Mein Haus ist ein klassisches Mehrzweck-Setup mit Wohnbereich, zwei Garagen, Hoftor, Garten und einer Eigenproduktion: einem kleinen Weinlager. Alles, was Sensor heißt, hängt entweder am Ecowitt GW1200A (Wetterstation), an einer SONOFF ZBBridge-U (Zigbee-Hub) oder an einem Shelly Pro 3EM (Stromzähler).
Konkrete Datenquellen:
- Ecowitt-Außenstation: Temperatur, Luftfeuchte, Taupunkt, Wind, Regen, Solar, UV
- WH51-Bodenfeuchte-Sensoren für Beet und Rasen
- SNZB-02P (Zigbee) für Innenraum-Klima
- SNZB-04P (Zigbee) als Türkontakte für die Garagen
- SONOFF SWV-ZFE Hydro ONE für die Bewässerung mit Durchflussmessung
- Shelly Pro 3EM als 3-Phasen-Energiemesser am Hauseingang
Home Assistant aggregiert das per MQTT (zigbee2mqtt auf der Bridge) und lokaler Integration (Ecowitt, Shelly). Von dort geht’s an zwei Stellen weiter: ins Lovelace-Dashboard für den schnellen Blick und ins Zabbix für den Long-Tail.
Praxisbeispiel: Garagentore mit SNZB-04P #
Die meisten Garagensteuerungen bieten zwar einen Funkschalter, aber keine Status-Rückmeldung. Wer das Tor öffnet, weiß nicht, ob es zu ist – außer durch Hinschauen. Das ist okay, solange man zu Hause ist. Steht man morgens am Büro und die App fragt „Was ist mit dem Tor?", beginnt das Grübeln.
Lösungsweg: ein simpler Reed-Kontakt am Sturz, der den Tor-Status meldet.
Der SONOFF SNZB-04P kostet etwa 10 €, läuft mit einer CR2032-Batterie ca. zwei Jahre und meldet seinen Status in Echtzeit über Zigbee. Bei mir sitzen die Sender-Einheiten innen am Garagensturz, die Magnete jeweils am Tor. Wenn das Tor zu ist, sind beide Teile nah beieinander → Kontakt geschlossen → Home Assistant sieht off (= „geschlossen"). Beim Öffnen wandert der Magnet weg → on (= „offen").

Die Anbindung an Home Assistant ist trivial – Auto-Discovery über zigbee2mqtt liefert eine fertige binary_sensor-Entity:
{{ states('binary_sensor.ewelink_snzb_04p_contact') }}
→ on / off
Im Dashboard kombiniere ich das mit einem Impuls-Skript für die Tor-Steuerung. Eine Mushroom-Card zeigt mir auf einen Blick: Symbol geschlossenes oder offenes Tor, grün oder orange, Sekundärtext „geschlossen" oder „OFFEN". Tippe ich darauf, wird der Impuls ausgelöst. Ein Bestätigungsdialog verhindert versehentliches Auslösen.
Und ja: Im Auto kann ich das ebenfalls bedienen – die Home-Assistant Companion App läuft via CarPlay, und mit einem Siri-Shortcut reicht ein „Hey Siri, Garage 2 öffnen". Geofencing als nächste Stufe ist schon in Planung.
Brücke zu Zabbix – warum die Doppelgleisigkeit? #
Home Assistant ist hervorragend für Echtzeit-Status und Automatisierung, aber im Langzeit-Reporting wird’s mühsam. Statistik-Karten zeigen mir den letzten Monat brauchbar, alles darüber hinaus muss man sich zusammensuchen. Zabbix hingegen ist gebaut für genau das: langfristige Messreihen mit Trendberechnung, Alarming, Korrelation und Reporting.
Mein Setup: Ein MQTT-Plugin in Zabbix abonniert dieselben Topics, die auch Home Assistant liest. Damit wird jeder Wert doppelt verarbeitet – einmal für die UI, einmal für die Statistik. Eine typische Konfiguration für einen Temperatursensor sieht so aus:
- name: 'Temperatur Schlafzimmer'
type: MQTT_AGENT
key: 'mqtt.get[broker.fox1.lan,zigbee2mqtt/0x385cfb...,$.temperature]'
units: '°C'
value_type: 0
preprocessing:
- type: JSONPATH
params: '$.temperature'
history: 90d
trends: 365d
Das 0xa4c138...-Suffix ist die Zigbee-MAC des Sensors, der JSON liefert MQTT-Payloads wie:
{"battery":100,"humidity":55.7,"temperature":21.3,"linkquality":168}
Per JSONPATH-Preprocessing extrahiere ich den gewünschten Wert. Dasselbe Schema läuft für alle Sensoren – einmal pro Datentyp ein LLD-fähiges Template, dann auto-discovered Zabbix die einzelnen Sensoren.
Beispiel-Trigger: Lüften-Empfehlung #
Auf Basis der Innen- und Außen-Taupunkt-Differenz kann Zabbix einen deutlich aussagekräftigeren Alarm ausgeben als „Feuchte > 60 %":
- name: 'Schlafzimmer – Lüften empfohlen'
expression: |
last(/Smart Home/sensor.schlafzimmer_dewpoint) -
last(/Smart Home/sensor.ecowitt_dewpoint) > 3
priority: WARNING
description: |
Innen-Taupunkt liegt 3 °C über dem Außen-Taupunkt.
Lüften reduziert die absolute Innenfeuchte messbar.
Damit kommt der Alarm nicht stur bei jeder hohen Feuchte, sondern nur, wenn Lüften wirklich Sinn macht – kalte Luft kann mehr Feuchte aufnehmen als warme.
Warum diese Kombination #
Home Assistant alleine wäre genug für Komfort. Zabbix alleine wäre genug für Sysadmin. Erst die Kombination liefert mir:
- Echtzeit-Reaktion im Haus (Lichter, Heizung, Tore) durch Home Assistant
- Langzeit-Datenbasis für Entscheidungen (Heizverhalten, Bewässerungs-Bedarf) durch Zabbix
- Konsistentes Alerting für alle Sensoren – egal ob Server-CPU oder Wassersensor in der Waschküche
- Eine Sprache für IT und Heim: SNMP-Trap und Garagensensor landen im selben Dashboard
Für meine Kunden setze ich genau dieselbe Stack-Logik ein – nur sind die Sensoren dort eben Switches, Firewalls und Server statt SNZB-04P.
Fazit #
Smart Home ohne Monitoring ist Spielerei. Monitoring ohne UI ist Sysadmin-only. Wer beides sauber verzahnt, bekommt ein System, das sowohl an der Garagentür als auch im Serverraum dieselbe Frage zuverlässig beantwortet:
Ist alles, wie es sein soll?
Der gleiche Anspruch lässt sich auf jede produktive Infrastruktur übertragen: Zabbix-Templates, MQTT-Quellen, automatisierte Discovery-Skripte – damit niemand mehr ratend vor dem Dashboard sitzt.
